Flightseeing USA 1980

von Egbert Elsholz
 

Vor einiger Zeit erschien in einer Zeitschrift unter der Überschrift  "USA-Reise für Privat-Piloten" ein Hinweis auf Pauschalreisen  für  Selbstflieger in den Weststaaten der USA. Für meinen Freund und für mich war dies der Anstoß zu einem Reiseerlebnis, das für uns Mitteleuropäer doch recht ungewöhnlich ist.

Wir  forderten  von  dem dort angegebenen Veranstalter einen Prospekt  an  und  stellten dem Angebot unsere eigenen Vorstellungen gegenüber.  Dabei  stellte  sich  heraus, daß uns die vorprogrammierte  Reiseroute  nicht völlig überzeugte. Außerdem zeigte eine überschlägige Kalkulation, daß die eigene Organisation auch noch einen Preisvorteil versprach. Deshalb erlaubten wir uns, die Idee in  etwas abgewandelter Form unter eigener Regie in die Tat umzusetzen.

Die Vorbereitungen

Zu  den  Vorbereitungen  gehörte zunächst eine fliegerische Bergeinweisung,  denn  wir  wollten ja schließlich in die Rocky Mountains  und  unsere  bisherigen Flugerfahrungen beruhten fast ausschließlich  auf Fliegen im norddeutschen Flachland. So verbrachten  wir  ein  angenehmes  und zugleich lehrreiches Wochenende im Flugzeug  zwischen  Kempten-Durach,  Davos, Innsbruck und Mittenwald.

Anschließend buchten wir einen kommerziellen Flug von Berlin nach Los Angeles  und  erfragten  Charterpreise für Sportmaschinen am Orange County Airport  in der Nähe von Los Angeles. Schließlich entschieden  wir  uns für - jedenfalls zeitweises  Übernachten im Zelt,  wozu  ein  Leichtzelt, sowie Leichtschlafsäcke und anderes nützliches  Campingzubehör  beschafft  wurde. Nachdem auch Reisevisum  und  PPL-Verlängerung  auf dem Tisch lagen, konnte nun der Tag X kommen, an dem wir unser ,,cleared for takeoff" erhielten.

Die Anreise

Am  29.  August 1980 bekamen wir diese Clearance, zunächst jedoch nur  indirekt in der Linienmaschine von Berlin-Tegel  nach Frankfurt/M. Dort bestiegen wir eine Boeing 747 auf dem Wege nach New York,  von  wo uns eine DC 10 sicher nach Los Angeles beförderte.  Dies  alles  zog  sich  über  ca.  21 Stunden hin, so daß wir  ziemlich  ermüdet  das  Hotel nahe unserem Zielflugplatz in Santa Ana erreichten.

Der nächste Tag begann mit dem überraschenden Anblick von vielen hundert  (  oder gar tausend ? ) geparkten Ein- und Zwei-Mots auf der  Ramp des John-Wayne-Airports von Santa Ana, ein Anblick, der in Europa wohl nur zu besonderen Veranstaltungen, wenn überhaupt, zu genießen ist. - Hier ist es Alltag.

Der Checkout

Unser  erster  Weg führte uns zu Dick's Imperial Aviation, wo wir den uns als Betreuer genannten Mr.Glassbrenner trafen. Die nächsten  Stunden  vergingen  wie im Fluge bei einem zwanglosen, aber dennoch  für  uns sehr informativen Gespräch über technische, meteorologische,  rechtliche, navigatorische und kommunikative Probleme.  Der  touristische  Aspekt  kam  dabei auch nicht zu kurz, wobei  sich herausstellte, daß wir zufällig nun doch bei dem Veranstalter  gelandet  waren, der die Pauschalreisen anbot, die wir durch eigene Organisation umgangen hatten. Sogar Mr. Glassbrenner erkannten  wir nun in dem Prospekt wieder, den wir zu Hause angefordert  hatten.  Er  war offensichtlich erfreut darüber, daß wir von  der  Idee eines USA-Flug-Urlaubs Gebrauch machten, wenn auch in  etwas  anderer  Form  als er es sich ursprünglich vorgestellt hatte.

Nun  kauften  wir  noch  Kartenmaterial  und - wie von erfahrenen Piloten  empfohlen  -  Nahrungsmittel  in Form von Konservenobst, Salzgebäck,  Getränken,  sowie zwei Gallonen Wasser. Dies ist als Notvorrat  in  den  trockenen  und heißen Wüstengebieten, die wir durchfliegen  wollten,  dringend  anzuraten.  Die brennende Sonne erinnerte uns eindringlich daran, auch Sonnenschutzmittel für die Haut einzupacken, sowie eine möglichst dunkel getönte Sonnenbrille  zur  Hand  zu haben. Schließlich nahmen wir ,,unsere" Maschine noch  unter  die  Lupe und waren erfreut, eine sehr gut gepflegte Cessna  172  mit dem Kennzeichen N5001E vorzufinden. Die elektronische Ausrüstung ließ nicht zu wünschen übrig: 2 * COM , 2 * VOR, ADF , ELT , Transponder und Glide Slope.

Dann  verabredeten  wir  uns für den nächsten Tag um 8 Uhr 30 mit Mr.  Glassbrenner für den obligatorischen Checkout. Dieser begann unter  IFR-Bedingungen  und  führte  uns zunächst on top über Los Angeles,  von wo aus wir Kurs auf die trockenen Wüstenrandgebiete gleich  hinter  den Santa Ana Mountains nahmen. Der Check bestand aus Navigationshinweisen,  dem  Beherrschen  von  ungewöhnlichen Fluglagen,  einigen  Landungen  in  Corona mit zwischenzeitlichem Kuchenessen,  Blindflugübungen, sowie einem ILS-Anflug auf Orange County Airport unter Aufsicht unseres Trainers. Insgesamt ein ca. 2 stündiges Programm, das uns beiden die Sicherheit und das volle Vertrauen in die Maschine gab, sowie dem Trainer die Entscheidung leicht  machte, uns die Cessna 5001E für die nächsten drei Wochen anzuvertrauen.

Die  Umschreibung  meiner  deutschen  Lizenz nahmen wir in Riverside ( ca 20 Flugminuten von Los Angeles entfernt ) im GADO vor. Dieser erfreulicherweise  sehr  unbürokratische Akt dauerte nicht länger als  30  Minuten und endete mit einem netten Plausch mit dem FAA-Beamten.
 

Die Tour

Nach  diesen vorbereitenden Dingen hatten wir alles beisammen und machten  uns nachmittags daran - nun auf uns selbst angewiesen -, die gelernten Dinge in die Tat umzusetzen.

Probleme tauchten im Sprechfunkverkehr immer wieder mal auf wegen der  ungewohnten englischen Redewendungen, so daß häufig im Lautsprecher  von  ground  oder  tower  ein ,,Cessna 0lE say again" zu hören  war. Trotz des extrem dichten Verkehrs an diesem Flugplatz -  es  soll der Platz mit der zweitgrößten Verkehrsdichte der USA sein - blieben die Controller ( und Controlleusen ) immer freundlich  und sagten alles again and again. So kamen wir auch relativ schnell  in die Luft und steuerten einen kleinen Flugplatz hinter den  Bergen  an,  der Perris Valley heißt. Wir wollten eigentlich nur  dem Rat folgen, nicht vormittags aus der möglicherweise diesigen  Ebene  von  Los  Angeles starten zu müssen, sondern in der klaren Luft am Rande der Mojave Wüste unsere Tour zu beginnen. Zu unserer  großen Überraschung war Perris Valley aber ein Mecca der Fallschirmspringer,  auf  dessen  teilweise versandeter Startbahn sich  zwei 40  Jahre alte DC3 abwechselten, um jeweils bis zu 30 Springer  gleichzeitig  in  der  klaren  Abendluft in die Höhe zu transportieren. Für uns gerade aus Europa eingeflogenen schon ein faszinierender Anblick.

Auf  der  Suche  nach demjenigen, der hier vom Boden aus manchmal auf der Unicom Frequenz (122.8 MHz) zu hören ist - ein Tower oder auch nur etwas entfernt ähnliches ist hier natürlich nicht aufzutreiben  -  fanden  wir  zwischen primitiven Sonnendächern, einem Swimming-Pool,  diversem  verschrotteten  Fluggerät  und  ca 4 qm mühsam  angelegter Wiese schließlich jemanden, der zuständig war. Auf unsere Frage nach einem Platz für unser Zelt bat er uns, doch die  4  qm  Wiese  zu  schonen und statt dessen lieber einen etwa gleichgroßen dicken roten Teppich als Zeltplatz zu verwenden. Bis auf  die  Begegnung mit einer unangenehm großen behaarten, allerdings etwas schüchternen Vogelspinne hatten wir eine ruhige Nacht und waren am Morgen zu neuen Taten bereit.

Diese  ergaben  sich  unter  der heißen kalifornischen Sonne ganz zwangsläufig  in Form von Baden im Pool abgewechselt mit Flugvorbereitungen  und  Kartenstudium.  So  nahm  unser erster größerer Wüstenflug  Form  an,  zu dem wir - wie für alle weiteren Etappen auch  - einen Flugplan abgaben und sorgfältig alle uns zur Verfügung  stehenden  Informationen  zusammentrugen.  So starteten wir schließlich  auf der Runway 33 in Richtung San Bernardino, um uns entlang  des  Highway 15 durch die Mojave Wüste nach Las Vegas zu franzen.  Nach  über  zweistündigem  Flug über öde Wüstenflächen, noch  etwas  unsicher  über das Dämmerungsverhalten in dieser Gegend,    entschlossen    wir   uns,   vorzeitig   in   Baker   zu landen.  Nach einigen Abstechern über viele Kilometer ausgedehnte völlig  ebene  Salzseen lernten wir dann einen Flugplatz ganz besonderer  Art  kennen.  Eine  1000 m lange, nachts automatisch beleuchtete  Startbahn  mit einem Vorfeld von wenigen Quadratmetern und  einem  Telefon. Dieser Wüstenflugplatz diente uns als Nachtquartier,  denn da wir die einzigen Kunden -  wahrscheinlich seit einigen  Tagen  oder  Wochen  - waren, errichteten wir unser Zelt direkt  unter der Tragfläche unserer Cessna und nutzten das Bordlicht  als  Campingleuchte. Neben dem Reiz des Abenteuers konnten wir erfreut feststellen, daß diese Art des Reisens die Haushaltskasse  ganz  erheblich  schont, denn Landegebühren kennt man hier nicht,  und wo kein Campingplatz ist, gibt es auch keine Campinggebühren.

Spielen in der Wüste

Wegen  der  auch  morgens schon brennenden Sonne packten wir früh unsere  Sachen zusammen und meldeten uns über Unicom - wohl ohne, daß  uns  jemand zuhörte: "Cessna 5001E taking off runway 32". Als Ziel  hatten  wir  uns  Boulder  City etwas abseits von Las Vegas gewählt, sahen uns jedoch zuvor das Tal des Colorado und den eindrucksvollen Hoover-Staudamm mit dem Stausee Lake Mead ausgiebig aus  der  Luft  an. In der Ferne im leichten Dunst konnte man die Spielerstadt  Las  Vegas ausmachen. Die Landung (in Boulder City) war nun schon fast zur Routine geworden, desgleichen der Gang zum -kostenlosen-  Telefon um den Flugplan zu schließen, die Maschine auftanken  zu  lassen  und am Boden zu verankern. Nachdem wir ein Mietauto  (das einzige im Ort) ergattert und ein Apartment gefunden  hatten, standen zunächst das obligatorische  Bad im Pool und dann die Fahrt ins nächtliche Las Vegas auf dem Programm.

Wer seine dimes, quarters und dollars fest in der Tasche hat, für den  ist  ein Gang zwischen den tausenden von einarmigen Banditen und  anderen  Spieltischen  ein sicher lustiges Erlebnis, für den anderen  mag  er  bei einem ohrenbetäubenden Klingeln und Rasseln mit  einem Gewinn, meist wohl aber mit einem weniger geräuschvollen  Verlust enden. Wie dem auch sei - man muß sie gesehen haben, diese künstliche, stellenweise paradiesisch anmutende Oase inmitten einer ausgetrockneten gelbbraunen öden Landschaft.

Auch  der  Hoover-Staudamm  - ca. 50 km außerhalb von Las Vegas -verdient  einen  ausgedehnten  Besuch. Eine Besichtigung der 1935 fertiggestellten  Anlage ermöglicht einen kleinen Einblick in die großartige  Leistung,  die  die Technik und die Techniker hier in einem  ehemals  völlig unzugänglichen Teil der Erde geleistet haben.  Der  von  dem  Damm  aufgestaute Colorado bildet hier einen weitverzweigten  riesigen  künstlichen  See, der als Freizeit und Erholungsgebiet  dient.  Richtig  überschauen  kann  man ihn erst wieder  aus dem Flugzeug, in dem wir am nächsten Tag zu dem schon lange  erwarteten großen Erlebnis des Fluges durch den Grand Canyon starten.

Flug durch den Grand Canyon

Die  Route  führt  über  den  Lake  Mead flußaufwärts in Richtung Osten.  Wir  haben  die Flugfunkfrequenz 123.05 MHz gerastet, die uns von den einheimischen Grand-Canyon-Piloten genannt wurde. Auf dieser  inoffiziellen Frequenz setzen die Piloten im Bereich zwischen  Las Vegas und dem Grand Canyon ihre Positionsmeldungen ab, um  bei  dem recht regen Verkehr im und über dem Canyon möglichen Gegenverkehr  rechtzeitig  zu  erkennen. Auch  wir halten uns an diese  Vereinbarung  während wir dem langsam ansteigenden Gelände folgend  die  immer  tiefer werdende Canyonlandschaft bewundern -zunächst  auf einer Flughöhe oberhalb der Hochebene. Nach einiger Zeit  reizt  die  Tiefe  des  Canyons, und die Breite läßt es als ungefährlich  erscheinen, die bisherige Flughöhe zu verlassen und sich  in  den  Canyon  hineinsinken zu lassen. Also ein Blick auf alle  Instrumente  :  alles im grünen Bereich ! Noch mal hören ob das  Triebwerk gleichmäßig und störungsfrei arbeitet - dann etwas Gas weg und der Sinkflug beginnt.

Schon  ist  die  Hochebene hinter den Canyonrändern verschwunden, die  VOR  Anzeigen  fangen an zu pendeln, bis sie schließlich abschalten.  Die Maschine läuft aber einwandfrei, so daß wir weiter sinken.  Die  durchschnittlich 6500 ft hohe Ebene ist schon lange nicht  mehr  zu  sehen, statt dessen erscheinen mehr oder weniger ebene  Absätze  an  den  Canyonwänden auf ca. 4000 ft Höhe. Diese bieten  sich  im  Notfall als Landeplätze an. So gehen wir weiter hinein.  Wir  sind  jetzt südlich von Tuweep und melden über Funk unsere  Position:  „Cessna  5001E, position Tuweep, heading east, altitude 3300 ft“. Wir sind jetzt so tief, daß selbst die 4000 ft Ebenen nicht mehr zu sehen sind; dafür ab und zu weiße Strände in den  Flußwindungen. Obwohl die Canyonwände noch immer in sicherer Entfernung  sind,  glaubt  man  manchmal  fast die Felsen mit den Tragflächen  zu streifen. Tief unten beeindruckt der Colorado mit seinen  breiten  lehmfarbenen  Wassermassen und unzähligen Stromschnellen.  Mit  etwas  Glück  kann  man auch ein von hier winzig erscheinendes Floss auf dem Strom erkennen.

Von hier bis zum Grand Canyon Airport wird die Sprechfunkfrequenz 122.75  MHz verwendet. Wir kommen nun in einen Bereich mit vielen Windungen und entschließen uns, wieder etwas höher zu gehen. Also: Gas  voll rein und in einen gleichmäßigen Steigflug trimmen. Leider  ist  die  Steigrate nicht mehr berauschend; wir befinden uns wieder  in ca 5000 ft und die Temperatur steigt auch immer weiter (es ist etwa High Noon), so daß die sogenannte density altitude wesentlich  größer als die wahre Höhe ist. Nach einiger Zeit können wir wieder über die Kante auf die Hochebene sehen, und stellen anhand des  jetzt  wieder normal arbeitenden VOR fest, daß unsere Bodennavigation so exakt war, daß wir genau nördlich des Flugplatzes wieder  "aufgetaucht" sind. Leider erblicken wir bei dieser Gelegenheit  auch  ein erhebliches Gewitter einige Meilen südlich des Platzes,  so  daß wir uns zur sofortigen Landung entschließen. So landen  wir auf der 3 km langen hervorragend ausgebauten Bahn und lassen  etwa  eine  halbe Stunde später einen kräftigen Gewitterregen auf uns niederprasseln.

Trimm Dich im Canyon

Die nächsten Tage sind für eine Erkundung des Grand Canyon zu Fuß reserviert. Wir lassen die Cessna 0lE am Flugplatz zurück und erkundigen uns nach Übernachtungsmöglichkeiten im Canyon. Diese sind von der Parkverwaltung auf knapp 100 Personen pro Nacht limitiert, und so haben wir Glück, am nächsten Tag - von der Warteliste abgerufen -einen  Schlafplatz unter freiem Himmel in Indian Gardens zugewiesen  zu  bekommen.  Ausgerüstet mit einigen Lebensmitteln, Wasser und  Schlafsack geht also der lange Marsch durch die Canyon-Wände los  und  wird  am  Plateau-Point  nach ca drei Stunden mit einem phantastischen  Blick  auf den Colorado belohnt. Die Sonne brennt hier erbarmungslos und das Wasser des Flusses ist immer noch rund 500  m  unter  uns.  Die  Nacht verbringen wir in der Nähe dieses Aussichtspunktes in der Oase Indian Gardens, die sich etwa 1000 m unterhalb des Hochplateaus und des South Rim befindet.

Am  nächsten  Tag  ist  ein Fußbad in den Fluten des Colorado geplant,  das  nach  einem  nochmaligen Marsch von gut zwei Stunden auch  tatsächlich stattfindet, jedoch wegen der niedrigen Wassertemperatur  sehr  kurz  ausfällt. Nach gut drei Stunden erreichen wir  dann  aber den Bright Angel Creek, einen Nebenfluß des Colorado,  in  dem  ein Bad die Temperaturen wieder erträglich werden läßt.  Die Atmosphäre hier unten am Colorado, ca 1500 m unterhalb der Zivilisation ist schon eindrucksvoll; jedoch drängt die Zeit, denn  wir müssen bis zum Sonnenuntergang eben diese 1500 m wieder aufwärts  geklettert  sein,  was bei der brennenden Sonne und der nach  oben immer dünner werdenden Luft kein Kinderspiel ist. Nach acht  Stunden  Wanderung  erreichen  wir  dann  doch Grand Canyon Village und sind froh, uns nun richtig ausruhen zu können.

Nach  dieser  Trimm-Dich-Aktion  lassen  wir wieder das Triebwerk unserer  Cessna  arbeiten und erheben uns bei einer density altitude  von 9500 ft ganz langsam in die Höhe, um noch einmal dieses grandiose  Naturschauspiel  aus der Luft zu genießen. Dann nehmen wir  auf  der  Nordseite  des Colorado Kurs auf Marble Canyon und Page.  Wieder  stehen einige lokale Gewitter über der Landschaft, durch  die  wir  uns  hindurchmanövrieren und schließlich in Page landen.

Gewitter zwingen uns ins Tal des Todes

Da  sich  die  Wettersituation in den nächsten Tagen leider nicht ändert, geben wir unseren Plan zum Monument Valley zu fliegen auf und  versuchen  statt  dessen  mit Kurs Richtung Westen zum Bryce Canyon  zu  kommen. Zunächst scheint das auch zu gelingen, jedoch müssen  wir  kurz vor dem Ziel auch über diesem Nationalpark eine Gewitterfront  zur  Kenntnis nehmen und entschließen uns deshalb, gleich unser nächstes Ziel - das Tal des Todes - anzusteuern.

Nach  einigen Zwischenlandungen zum Auftanken erreichen wir Death Valley Airport  und  landen dort gegen Abend, wobei unser Höhenmesser beim Aufsetzen 260 ft unter MSL anzeigt - ein merkwürdiger Anblick.  Das  hat  aber  seine  Richtigkeit, denn hier liegt die Talsohle  überwiegend  unterhalb  des Meeresspiegels, obwohl kaum Wasser  aufzutreiben  ist.  Die  Landschaft  besteht aus riesigen trockenen Salzseen und unfruchtbarer Wüstenfläche.

Am nächsten Tag sehen wir uns die Umgebung aus dem Flugzeug näher an: bei einer Flughöhe von minus 150 ft MSL  und  normaler Reisegeschwindigkeit  kann man leicht die sehenswerten Punkte wie Badwater  (mit  282 ft unter dem Meeresspiegel der tieftste Punkt in  der westlichen Hemisphäre), das Stove Pipe Wells Hotel, sowie die  Sand Dunes und Devil's Cornfield erreichen. Andererseits muß man auf gut 5000 ft gehen, wenn man Dantes View und den Zabriskie Point  an  den Hängen der Randgebirge überfliegen will. Der Rundflug  fällt  relativ  kurz  aus, da die Temperaturen doch mehr zu einem  Bad  im  Pool einladen, auch wenn das Wasser von der Sonne angewärmt  nur  mäßig erfrischt. Ein weiterer Tag in dieser ungewohnten Umgebung dient der Erholung.

Das  Studium  der  entsprechenden Flugkarten zeigt uns, daß unser nächstes  Ziel  - der Yosemity Nationalpark - nur mit Umwegen von hier  aus  zu  erreichen ist, denn die Sierra Nevada ist hoch und warm.  So entschließen wir uns, die südlichen Ausläufer der Berge zu  überfliegen  und kommen so über China Lake und Kern Valley in die  Küstenebene, wo  uns  der  Victor Airway V459  in nördlicher Richtung zum Mariposa-Yosemity-Airport führt.

Wieder  mieten wir einen der großen amerikanischen Straßenkreuzer (kleine  Mietwagen sind meist nicht vorhanden ) und fahren noch abends  in  den Yosemity Park. Der nächste Morgen beginnt mit der unangenehmen  Überraschung,  daß der Wagen nicht anspringen will. Durch  die Hilfsbereitschaft unseres freundlichen Campingnachbarn kommen  wir  aber  dann doch vom Fleck und können den Park in all seiner  Schönheit  genießen.  Auch hier vergehen mehrere Tage bis wir  wieder  zum  Flugplatz zurückkehren und unsere Cessna in die Luft bemühen.

Stadt der Blumenkinder

Unser  nächstes  Ziel  ist San Francisco mit der berühmten Golden Gate  Bridge,  der  Gefängnisinsel  Alcatraz und einem fast immer frühlingshaften  Klima.  Wir franzen uns von nordosten her an die große  Bucht  heran  -  zunächst über Industrie- und Hafengebiet. Schließlich  erkennen  wir in der Ferne zwischen den beiden Landzungen ein rotbraunes metallenes Bauwerk sich über das blaue Meer spannen, ein wunderschöner Anblick. Nach einigen Ehrenrunden über Golden Gate,  sowie  über Alcatraz  und Downtown San Francisco nehmen  wir  Kurs  auf den etwas südlich gelegenen Flugplatz Half Moon Bay.

Die nächsten Tage vergehen leider viel zu schnell in dieser reizvollen  Stadt  und  ihrer  wunderbaren Umgebung. Unsere besondere Beachtung  finden  die  schnurgeraden aber extrem steilen Straßen der  Stadt.  Hier macht eine Stadtrundfahrt im eigenen Wagen oder auch  mit der berühmten Cable Car viel Spaß. Darüberhinaus sollte man  sich  nicht den nördlich von Golden Gate liegenden Stadtteil Sausolito entgehen  lassen.  Dieser  Künstlervorort  mit  seinem Yachthafen  und  seinen  vielen meist europäischen Lokalen ist so gar  nicht  amerikanisch  und spricht uns deshalb vielleicht auch besonders  an.  Weiter  nördlich beginnen die sanften Hänge eines Weinanbaugebietes,  dessen Produkte abends in den Weinlokalen von Sausolito  an good old Germany erinnern. Die Namen der Weine sind häufig deutscher Herkunft, da hier unter der kalifornischen Sonne die   ursprünglich   aus   deutschen  Anbaugebieten  importierten Weinreben gut gedeihen.

Entlang der Panamerikana

Leider  müssen wir feststellen, daß unsere restlichen Urlaubstage gezählt  sind  und wir uns auf den Rückweg machen müssen. Ein Abschiedsrundflug  über die Frisco Bay und Golden Gate - und weiter geht  es nun nach Süden mit Ziel Los Angeles. Unterwegs legen wir noch  einige  Zwischenlandungen ein, so z.B. in Monterrey, von wo aus  wir  einen  Abstecher  nach  Big  Sur  und dem Carmel Valley machen.  Den  letzten  Tag  verbringen  wir  in Santa Barbara und nehmen  am  Strand  mit  einem ausgiebigen Badetag im Pazifik Abschied von der kalifornischen Sonne.

Der letzte Hüpfer zum Orange County Airport bringt uns noch einen eindrucksvollen  Blick  auf die sich nahezu unendlich ausdehnende Großstadt  Los  Angeles  mit  ihrer  typischen  gelb-braunen Smog Glocke.

Die Rückreise

Nach den Erfahrungen der letzten drei Wochen bringen wir nun auch eine  ziemlich  routinierte  Landung im Gedrängel an diesem Flugplatz  zustande und werden von Mr. Glassbrenner herzlich begrüßt. Bei  einem  hervorragenden  Dinner  mit  Spare Ribs gibt es viele Erlebnisse  über  die  ca.  32  Flugstunden  der vergangenen drei Wochen zu berichten.

Schließlich  müssen  wir  aufbrechen, um pünktlich um Mitternacht vom  LA International Airport  mit  Umsteigen  in  New York und Frankfurt am Main wieder nach Berlin zu kommen.

The End